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Perfektionismus und Schuldgefühle beim Essen

Leider leben wir in einer Welt, die eine absolute Perfektionskultur etabliert hat. Auch wenn dies bei manchen Dingen unumgänglich ist – wenn man beispielsweise versucht, einen Menschen ins All zu schießen –  ist Perfektionismus für die meisten Dinge im Leben eine Karotte am Stock, die der hinterher laufende Esel niemals erreichen wird. Es stresst uns und, wie wir wissen, ist Stress der sicherste Weg, unseren Darm zu reizen. Außerdem hat die Wissenschaft uns bewiesen, dass zu viel „Hygiene“ im Leben gar nicht gut für uns ist, sondern uns auf längere Sicht eher krank als gesund macht – aber das ist ein anderes Thema.

Letztes Jahr habe ich mein Studium in Design Thinking abgeschlossen, einer Innovations-Methode und Mindset, das unter anderem auf der Annahme beruht, dass 80% gut genug sind. Dass man Design Thinking nicht nur studieren kann, sondern es inzwischen auch überall zu finden ist, wo man sich Innovation und Veränderung wünscht, lässt schon vermuten, dass diese Annahme sich bewährt hat. Auch für mich und meine Gesundheit hat diese Einstellung zum Leben viel verändert.

Perfektionismus beim Essen

Ich erinnere mich an eine Zeit, in der Essen ständig mit Schuldgefühlen und von einer bösen Stimme in meinem Kopf begleitet war, die mir sagte, ich dürfe das alles eigentlich gar nicht zu mir nehmen. Um die Erklärung zu vereinfachen, taufe ich diese Stimme jetzt einfach mal Cruella.

Wenn ich über Tag etwas „Falsches“ aß, versprach ich Cruella noch während des Essens, dass ich dafür nichts zu Abend essen würde. Das klappte natürlich nie. Beim Abendessen machte Cruella mir dann so große Schuldgefühle, dass ich ihr schwor, sofort nach dem Essen laufen zu gehen. Wenn ich es wirklich machte, wurde mir übel und ich bekam Bauchschmerzen. Also lief ich nicht weiter und lieferte Cruella damit neues Kanonenfutter, mich damit zu beschimpfen, wie schwach, undiszipliniert und nutzlos ich wäre.

Essen wurde zu einem Problem und einem riesigen Stressfaktor. Als ich einmal anfing zu akzeptieren, dass es Perfektion nicht gibt, und ich Cruella somit als Hirngespinst entlarven konnte, wurde alles leichter. Heute ist Essen Genuss und Spaß für mich.
Kommt euch das alles bekannt vor? Ich schreibe euch hier auf, was ich heute mache, wenn Cruella es schafft, sich einzuschleichen.

Byebye Schuldgefühle

  • Ruhe beim Essen: Setzt euch in Ruhe hin, ohne laute Musik, ohne Fernseher oder Handy. Atmet einmal tief ein und aus. Versucht, euch auf das Essen zu konzentrieren. Wie genau es schmeckt und  sich im Mund anfühlt.
  • Gutes tun: Hilf einer Oma über die Straße, halte jemandem die Tür auf oder trage einer Mama den Kinderwagen die Treppen runter.
    Anika 1 – Cruella 0, sage ich da nur!
  • Iss gesund: Kauf und koch einfach so viel Gemüse, wie du irgendwie kannst. Egal, ob Salat, Zucchini oder Paprika, versuch einfach die Hälfte deines Tellers mit Gemüse zu füllen!
  • Umdenken: Wenn du diesen Teufelskreis durchbrechen willst, musst ihr du dir zuerst einmal klar machen, was genau dir Cruella da eigentlich weismachen will, und es dann umformulieren. Wenn Cruella sagt: „Ich bin so undiszipliniert, ich hatte mir vorgenommen, das nicht zu essen“, dann dreh es ihr einfach im Mund um: „Ich vergebe mir und traue mir zu, die richtigen Entscheidungen zu treffen“. Lest euch die positiven Varianten so lange laut vor, bis sie lauter sind als Cruella.
    Das mag vielleicht etwas abgedreht klingen, aber ich verspreche euch, es wirkt Wunder. Meine Gesundheit musste erst so richtig den Bach runter gehen, bis ich bereit war, es auszuprobieren und ich wünsche mir, dass ihr euch früher als ich damals dafür öffnen könnt.

Ich weiß, dass es am Schwersten ist, die Mitte zu finden. Ich habe aber auch gelernt, dass genau da der Schlüssel liegt. Ich freue mich, wenn ihr eure Erfahrungen mit den Themen „Perfektionismus“ und „Schuldgefühle beim Essen“ auch mit mir teilt. Ihr könnt einfach diesen Blogbeitrag kommentieren oder eine Mail schreiben.

Habt einen schönen Mittwoch!

Eure Anika

1 Kommentar

  1. Pingback: Die goldene Mitte | Kamille und Krawall

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