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Der Bauch als Emotionskanal

Dieses Wochenende habe ich meine Freundin in Stuttgart besucht. Am Flughafen gab es ein paar Probleme mit meinem Gepäck. EasyJet wollte mich nicht mit meiner Handtasche und Handgepäckskoffer durchlassen, und als ich mich im Flugzeug auf meinen Platz setzte, hatte ich mich insgesamt 5 Mal in einer übervollen Halle hingehockt, meine Handtasche in meinen Koffer hinein operiert und zwei Schritte später wieder heraus geholt.

Ich habe die für mein Umfeld angenehme Eigenschaft, Emotionen in mir drin zu halten. Ich schnauze fremde Menschen selten an und werde nicht hektisch – aber innen drin fängt es manchmal unbemerkt an zu brodeln. Seit ich diese Eigenschaft reflektiert habe, beobachte ich häufig auch andere Menschen, deren Stress, Wut oder andere Emotionen sich ebenso nicht an ihr Umfeld, sondern gegen sie selbst richten.

So positiv die Rückmeldung anderer Menschen bezüglich dieser Angewohnheit sein mag, so schädlich ist sie für die eigene Gesundheit und das eigene Stressempfinden.

Auch wenn ich keinen empirischen Beweis habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass Menschen, die ihre Emotionen nach außen kanalisieren, wesentlich seltener „Wut im Bauch“ haben.

Aber ich bin, wer ich bin und ich werde mich sicher niemals wohl damit fühlen, einen netten Herrn am Securitiy Check anzumaulen, weil er zufälligerweise heute schon der Fünfte ist, der mich darum bittet, dass ich meine Handtasche in meinen Koffer quetsche. Bin ich also dazu verdammt, dass meine Emotionen mir Bauchschmerzen machen?

Nein!

Als ich im Flieger saß, nahm ich meinen Laptop auf den Schoß, um noch ein paar Dinge zu erledigen – aber da bemerkte ich, dass mein Bauch angefangen hatte weh zu tun.

Ich legte den Laptop weg, lehnte mich zurück, schloss die Augen und spürte in mich hinein. Mein Puls war schnell, in meinem Kopf drehten sich jede Menge Gedanken, mein Mund war trocken, mein Bauch angespannt und meine Beine krampfhaft überschlagen. Nach und nach entspannte ich alle Muskeln in meinem Körper, fokussierte mich auf den blauen Himmel über den hektisch vorbeiziehenden Gedankenwolken und atmete tief in den Bauch. Als wir 15 Minuten später starteten, fühlte ich mich ausgeglichen und entspannt.

Früher hätte ich die Zeit während des Flugs an meinem Laptop verbracht und wäre gestresster in Stuttgart angekommen, als ich in Berlin gestartet war und hätte wahrscheinlich den Rest des Tages Bauchschmerzen gehabt. Aber ich habe gelernt die Zeichen meines Körpers zu bemerken, sie ernst zu nehmen und auch wirklich auf sie zu reagieren.

Es verbessert das Wohlbefinden sehr, wenn man jedes Mal beim Aufstehen oder Hinsetzen kurz inne hält und die Aufmerksamkeit nach innen richtet. Egal ob im Büro, zu Hause, im Auto, im Bus, in der Bahn, auf der Toilette, in der Kantine, in der Vorlesung… nehmt euch ein paar Minuten und schaut, was IHR gerade eigentlich wirklich braucht.

Ich hoffe, ihr hattet alle ein so schönes und entspanntes Wochenende wie ich.

Liebe Grüße vom Stuttgarter Flughafen. Eure Anika

4 Kommentare

  1. Oberflächlich betrachtet klingt es natürlich wunderbar, wie Du dieses Problem in den Griff bekommen hast und an Deinem Tipp ist natürlich auch was dran. Doch so ganzheitlich betrachtet schadest Du Dir weit mehr als Dir offenbar bewusst ist.
    Bekanntlich bewegen wir uns zwischen den Grenzen, die uns bewusst, die uns bekannt, die wir gewohnt sind.
    Dreh mal Deine ‚untere‘ Grenze zu einem Primatenweibchen, das irgendwo im Regenwald lebt, runter und betrachte nochmal Dein Leben und Deinen Bauch.

    PS: Primaten sind zu 98,6% mit uns genetisch ident! Und wir tragen noch immer all die damaligen Urbedürfnisse in uns! 😉

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    • Hi Payoli, schön, dass du meinen Post gelesen hast. Ich verstehe dich so, dass Stress für Primaten überlebenswichtig war und mir in der beschriebenen Situation wahrscheinlich ein Zeichen für Flucht gewesen wäre. Habe ich dich so richtig verstanden? ☺️

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      • Das kann jeder sehen wie er will, liebe anikamille. Für mich z.B. wärs schon unvorstellbar mit Koffer und Handtasche überhaupt in einen Flieger zu steigen; nichtmal ohne den, von Dir beschriebenen ‚Beigaben‘. Ich beweg mich ausschließlich in Bereichen und Dimensionen die einfach, entspannt oder sogar genussvoll zu erreichen sind.
        Nicht nur, dass das Verstinken und Vergiften von Fliegern ja nicht mitzuverantworten sind, kosten sie ja auch schöne Lebenszeit indem der Preis erarbeitet werden muss …
        Da gibts ein einfaches Rechenbeispiel, dass Radfahrer schneller als Autofahrer sind, wenn man die Zeiten für Anschaffung und Betrieb des Autos mit dazu rechnet. Beim Fliegen ist es durch die völlig unfairen Kerosin- Subventionen noch viel schlimmer.
        Um noch einigermaßen zum Ausgangsthema zurückzukommen: Ich lieg vielleicht falsch, bin aber zutiefst davon überzeugt, dass jemand, der mit seinen Urbedürfnissen in Kontakt ist, auch in einem harmonischen Umfeld lebt, das er nicht, und schon gar nicht stressig, zu verlassen braucht. Und wenn schon einmal, und der Bauch signalisiert etwas, würd ich tiefer als oberflächlich suchen/ fragen.
        Liebe Grüße!
        – Und ‚Gut Flug! 😉

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      • Ah, jetzt verstehe ich dich. Ich bin ganz bei dir, was das harmonische Umfeld betrifft. Wo da die Mitte zwischen Urbedürfnissen und Teilnehmen an der modernen Welt liegt, kann jeder für sich entscheiden. Danke für deine Erklärungen 😌

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