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Aufgeben bringt Freiheit

Was für eine paradoxe Überschrift. Bevor ihr mich für verrückt erklärt, stellt euch einmal Folgendes vor:

Ihr sitzt am Schreibtisch und arbeitet halb konzentriert vor euch hin. Es ist 16 Uhr und euer Mittagessen war irgendwie ziemlich unspektakulär. Ihr steht auf, geht zur Toilette und quält euch an der großen Süßigkeiten Schale vorbei, die im Flur auf dem Tischchen steht. „Umpf….ich kann nicht den ganzen Tag Celebrations in mich reinstopfen!“
Ihr schafft es vorbei und sitzt einige Minuten später wieder am Schreibtisch – ein bisschen stolz, dass der Griff in die Schüssel abgewendet werden konnte.
 Aber die Lust auf Süßigkeiten geht nicht weg und eure Gedanken schweifen ständig wieder zu der Schüssel im Flur.
„Eigentlich ist es ja auch bescheuert, sich sowas zu versagen! Ich bin nicht zu dick, alle anderen machen das auch und das Leben ist zu kurz um es nicht zu genießen….“

Gib‘ auf!

Wer kennt solche Gefühle und Dialoge? Ich kenne sie zu Hauf.
Als ich ungefähr 16 Jahre alt war, war keine Süßigkeitenschale, keine Bäckerei und allgemein kein Gebäck vor mir sicher. Und ich hasste diese Zwänge leidenschaftlich. Sie gaben mir das Gefühl Sklave meines Körpers zu sein, kein Mitspracherecht zu haben und schwach zu sein. Denn egal wie sehr ich diese Disziplin-Übung mit mir selbst ausfocht: ich konnte nur verlieren. Denn eines Tages gab ich ja sowieso nach.

Wenn ich heute zurück schaue, kommt es mir so einnehmend vor. So viel von mir war damit beschäftigt gegen mich selber zu kämpfen! Nicht nur im Zusammenhang Essen/Disziplin, sondern beispielsweise auch auf dem Schlachtfeld Sport bzw. Motivation.

Heute verrate ich euch was: als ich ein für alle mal meine Waffen gegen meinen Körper niedergelegt habe, ist mir eine riesige Last von den Schultern gefallen. Es macht so unglaublich, unbeschreiblich frei! Es hat meinem Genesungsprozess einen echten Boost gegeben und mein Verhältnis zu meinem Körper grundlegend zum Positiven verändert.

Aber wie kann man so einen Kampf beenden?

Die Antwort ist leicht. Wie so viele Kämpfe: in dem man sich die Mühe macht, zu versuchen den anderen zu verstehen!

Als ich einmal kapiert hatte, dass…

  • mein Blutzucker bei meinem Essenrhythmus (7 Uhr Frühstück, 12:30 Uhr Mittagessen, 7 Uhr Abendessen) jeden Tag gegen 10:30 Uhr und gegen 16:30 Uhr in den Keller fällt,
  • mein Körper mir jedes Mal Lust auf zucker- und kohlenhydratreiche Lebensmittel machen wird, wenn ich sie bei meiner Hauptmahlzeit weglasse (besonders an meinen „Diät-Abenden“ ),
  • mir diese aufdringlichen Gelüste erspart bleiben, wenn ich meinen Körper richtig ernähre,

… wurde es plötzlich ganz einfach.

Frei von diesen Zwängen zu sein, an jeder Bäckerei und jeder Süßigkeitenschale vorbei gehen zu können, ohne sie überhaupt wahrzunehmen, befriedigt und friedlich vom Abendessen aufstehen zu können, ohne, dass irgendeine nervige Stimme im Kopf „Ich will Schokolade“ nörgelt, das ist befreiend.

So geht’s

  • Ich fing an meinen Teller ungefähr so aufzubauen: 1/2 Gemüse, 1/4 Eiweißquelle, 1/4 des Tellers komplexe Kohlenhydrate, 1 EL Fett.
    Der Körper braucht ALLE Makronährstoffe und wird Gegenmaßnahmen einleiten, sobald einer fehlt.
  • Ich fing an 3 sehr große Mahlzeiten am Tag durch 3 mittlere und 2 kleine zu ersetzten. Für diese Snacks um circa 10:30 Uhr und 16:30 Uhr, hilft mir eine kleine, eiweißreiche Zwischenmahlzeit sehr. Beispiele sind: eine Karotte mit etwas Hummus, 1/2 Apfel mit Mandelmus, ein (gesunder) Müsliriegel, Knäckebrot mit Ei, aber manchmal auch einfach 100ml Eiweißshake oder eine Hand voll Nüssen sehr.
  • Ich fing an mich auf das Essen zu konzentrieren. Bevor ich esse, konzentriere ich mich ein paar Sekunden darauf, was da auf meinem Teller liegt, wie es wohl schmecken wird, welche Reise es wohl hinter sich hat oder wie es sich in meinem Bauch anfühlen wird. Auch bei den Zwischenmahlzeiten lohnt es sich sehr, wenn ich mir diese Zeit nehme. Es ist sowieso eine perfekte Gelegenheit für eine 10-Minuten Pause. Da kann man doch gleich nochmal die Beine an die Wand werfen, um das Nervensystem ein bisschen runterzufahren!

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal sagen, dass dies mein Weg ist. Ich kenne Menschen, die den Weg der Disziplin wählen und gehen. Für mich ist er nichts und ich empfehle jedem, beides einmal auszuprobieren.

Mir hat diese relativ kleine Veränderung so viel Friede mit mir selbst gebracht und meine Beziehung zu meinem Körper grundlegend zum Positiven verändert.

Ich wünsche euch, dass ihr etwas Ähnliches für euch findet.

Liebe Grüße aus Berlin, ich drücke euch.
Eure Anika

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